FSN - Gebundener Ganztag

Die Freie Schule Niederrhein (FSN) wurde zum Schuljahr 2013/2014 gegründet. Sie wurde am 2. Oktober offiziell genehmigt und hat daraufhin unmittelbar den Unterricht mit der 5. Klasse aufgenommen.

Dem Gründungsantrag liegt ein Pädagogisches Konzept zu Grunde, das, aus unserer Sicht, nur in Form des Gebundenen Ganztags umgesetzt werden konnte. In dem Konzept werden die Argumente, die ein verpflichtendes längeres Lernen nötig machen, bereits aufgezeigt und angeführt; sie wurden mit diesem separaten Ganztagskonzept nun detaillierter und ausführlicher dargelegt und begründet.

 

Mit dem Ziel, die Qualität unserer Arbeit und die Bildungsangebote für unsere Schülerinnen und Schüler zu verbessern, haben wir im Dezember 2013 die Umwandlung in eine Gebundene Ganztagsschule beantragt. Der Antrag wurde zum 01.08.2015 bewilligt

 

 

Sozialpolitische und pädagogische Begründung

Die Freie Schule Niederrhein versteht sich als eine Schule für alle Schülerinnen und Schüler; als eine Schule, die sich nicht als „Institut“ sondern als Teil der Lebenswelt aller an ihr Beteiligten sieht.

Um unseren Schülerinnen und Schülern mehr Chancengerechtigkeit zu verschaffen, möchten wir dafür sorgen, dass schulische Aufgaben nicht von den Familien übernommen werden müssen, sondern dass unsere Schule die Gelegenheit dafür bietet, für Schulisches auch in der Schule Unterstützung zu finden.

 

In einer Zeit, in der sich die traditionellen Familienstrukturen verändern, die Zahl allein erziehender Haushalte und so genannter „Patchwork“-Familien sowie der Haushalte mit zwei berufstätigen Elternteilen zunimmt und der Arbeitsmarkt der Elterngeneration ein erhebliches Maß an Flexibilität abverlangt, entspricht die Halbtagsschule nicht mehr den gesellschaftlichen und sozialpolitischen Bedürfnissen. Mehr und mehr setzt sich in der Bundesrepublik Deutschland seit PISA 2000 die Erkenntnis durch, dass Ganztagsstrukturen ein wesentliches Element zur stärkeren Förderung von Schülerinnen und Schülern und damit auch zur Hebung des Bildungsniveaus sein können.

 

Pädagogisch sieht das Nordrheinwestfälische Schulgesetz in der derzeit gültige Fassung die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern vor. Die Zeitstruktur einer klassischen Halbtagsschule einerseits und die derzeit den Halbtagsschulen gesetzlich zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen andererseits lassen individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler nicht in dem erwünschten und pädagogisch notwendigem Maße zu.

Das offene Ganztagsmodell bietet da auch keine Alternative, denn die Teilnahme am Nachmittagsangebot ist optional, daher sind die Themen eher allgemein gehalten. Individuelle Förderung für alle, ist so ebenfalls kaum möglich. Pädagogische Neuerungen, die sich positiv auf den Lernstand und die schulische Entwicklung der Schüler/innen auswirken, sind nicht durchführbar, der Unterricht muss weiterhin kompakt angeboten werden, die Pausen bleiben kurz. Das führt gleichermaßen zu Frustrationen bei Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften.

In der Freien Schule Niederrhein war dies deutlich spürbar: Die Lehrkräfte sahen die Notwendigkeit verstärkter individueller Förderung und Zuwendung, spürten aber auch die Grenzen eigener Belastbarkeit bei dafür fehlenden Personal- und Zeitkontingenten. Das Gefühl der „Atemlosigkeit“ breitete sich aus und wurde immer wieder artikuliert. Es ist zunehmend deutlich geworden, dass den gestiegenen Anforderungen in diesem Bereich nicht mit den zur Verfügung stehenden Mitteln begegnet werden konnte. Diese Erfahrungen in unserem ersten Schulhalbjahr 2013 und die unten aufgehführten pädagogischen Erkenntnisse haben uns im Dezember 2013 zusätzlich darin bestärkt, den Antrag auf Umwandlung in eine Gebundene Ganztagsschule unverzüglich zu stellen.

 

Persönliche und individuelle Förderung hat viel mit Beziehungen und Beziehungsstrukturen zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen zu tun. In letzter Zeit weist neben der Erziehungswissenschaft auch verstärkt die Neurobiologie (Wolf Singer, Manfred Spitzer, Joachim Bauer, Gerald Hüther) darauf hin, dass erfolgreiches Lernen nur geschehen kann durch Unterstützung und Anerkennung, Ermunterung und Motivation gepaart mit ganz individueller kognitiver Herausforderung. Für all dies muss es Zeitfenster geben.

Die Freie Schule hat bereits in ihrem Gründungsansatz, der im Kern auf der Montessori-Pädagogik basiert, viel Wert auf Rituale und eine ausgeprägte Beziehungskultur gelegt (vgl. Leitbild im Schulkonzept; Der Mensch im Mittelpunkt). Es besteht jedoch Bedarf nach mehr Zeit und Raum für Individualisierung und nach gleichzeitiger stärkerer Absicherung der in der Freien Schule wichtigen und üblichen die Gemeinschaft fördernden Rituale. Dem lässt sich durch Betrieb als Gebundene Ganztagsschule nachkommen. Rituale und Planungskreise bekommen nur so einen festen Platz im Tagesablauf, ohne allzu viel Unterrichtszeit zu beanspruchen.

Weiterhin ist auf die Integration von Bewegungs-und Entspannungselementen in den Tagesablauf sowie auf den Stellenwert musischer, ästhetischer und künstlerischer Angebote hinzuweisen, die – auch das ist hinlänglich wissenschaftlich erwiesen – kognitive Prozesse unterstützen und fördern und für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig sind.

 

Begründung für die gebundene Form der Ganztagsschule

Eine gebundene Ganztagsschule bietet als einziges Modell die Möglichkeit, den Tag so zu rhythmisieren und den Pflichtunterricht zu „entzerren“ wie es in unserem Konzept verankert ist.

Dem Schulalltag kann nur so eine sinnvolle Zeitstruktur gegeben werden. Die Pausen im klassischen Schulalltag sind zu kurz, um sich wirklich zu erholen und dabei noch Notwendiges zu erledigen und der Fächerwechsel zu häufig. Fachleute weisen darauf hin, dass die Schule ein „anderes Verhältnis zur Zeit gewinnen“ muss, um dem kindlichen Zeit-Verhältnis stärker gerecht zu werden und die Schülerinnen und Schüler nicht schon in frühem Alter dem kompakten und linearen Zeitverständnis der Erwachsenen anzupassen. Jugendliche brauchen Gelegenheiten „Außer-der-Zeit“ zu sein, für Spiel, für Gespräche mit Gleichaltrigen, für nur „Dasitzen“.

Eine Verdichtung der Arbeitsabläufe führt bei vielen Schülerinnen und Schülern eher zu Störungen der Lernprozesse als zu Leistungssteigerungen. Eine neue Rhythmisierung jedoch kann Phasen der Anspannung und Entspannung bieten und einen Wechsel der Lehr- und Lernformen beachten. Längere Pausen bieten mehr Erholungsräume und Zeit zum Essen und Spielen. Auch Lehrkräften können längere Pausenzeiten mehr Erholung, aber auch mehr Möglichkeiten zu informeller Kommunikation mit Kolleg/innen und Schüler/innen bieten.

Ein „Offener Anfang“ am Beginn eines Schultages gewährleistet ein ruhiges Ankommen und gibt Jugendlichen das, was sie in der Phase der Adoleszenz am meisten suchen: Zeit mit Freunden – ohne dafür Unterrichtszeit in Anspruch nehmen zu müssen. Darüber hinaus bietet die entspannte Anfangsperiode Zeit und Raum für Fördermöglichkeiten und Stärkenförderung zu einer Zeit, in der Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler vom Biorhythmus her leistungs- und kommunikationsfähig sind.

Einer gebundenen Ganztagsschule stehen bis zu 20% zusätzliche personelle Ressourcen zu. In unserem Fall werden diese zum einen dazu verwendet, im Laufe des Unterrichtstages individuelle Förderung dort zu installieren, wo die Notwendigkeit unmittelbar ersichtlich wird – nämlich auf der Ebene der Jahrgangsteams -zum anderen aber auch, wichtigen Lernritualen und der Planung selbstständiger Lernphasen zusätzlichen Platz in der Stundentafel zu verschaffen. „Ein Stundenplan, der nur die Fächerfolge einhält greift zu kurz, reduziert die Schule auf eine Lehranstalt“.

 

Die Durchführung von Projekten, das Offene Lernen, die Doppelstunden – all diese Elemente hat die Freie Schule Niederrhein in ihrer Planung berücksichtigt, um den Schultag für die Schülerinnen und Schüler zu „entschleunigen“ und effizienter zu machen. Diese Veränderungen wirken sich auch positiv auf den privaten Bereich, die Freizeit unserer SchülerInnen aus. An der Freien Schule wird der Tag entzerrt, jedoch das Ende des Pflichtunterrichts nach wie vor so früh gelegt (15:35 Uhr), dass private Aktivitäten am Nachmittag noch möglich sind. Das Doppelstunden-Prinzip ermöglicht längere Arbeitsphasen und mehr Übungszeit schon während des Unterrichtes, dadurch werden zusätzliche Hausaufgaben überflüssig. Wenn die Kinder nach Hause kommen haben sie in der Regel mit dem Schultag abgeschlossen. Sie sind ausgeglichen und motiviert, und können ihre freie Zeit entspannt genießen. Dadurch schöpfen sie Kraft für den neuen Tag und entwickeln eine positive Grundeinstellung zum Lebensraum Schule.

Es müssen aber auch neue Herausforderungen und Probleme angegangen werden, die sich mit den klassischen Modellen kaum bewältigen lassen. Eine in den letzten Jahren beobachtete Zunahme von motorischer Unruhe einerseits und erhöhter Förderbedarf etwa im Rechtschreibbereich oder Mathematik andererseits lassen es nun dringend erforderlich erscheinen, Entspannungsphasen zu verlängern und individuelle Förderung flexibel und gezielt dort und dann anzubieten, wo und wann sie benötigt wird. Dafür müssen Zeitfenster im Laufe des Tages zur Verfügung stehen. Dafür muss das individuelle Lernen neben den Projekten ausgeweitet und Planungszeit eingeplant werden.

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